FAMILIE UND KINDER

12 Jahre ohne Umarmungen oder Cola: Eine seltene Krankheit, die den Jungen dazu brachte, sein ganzes Leben in einer Blase zu verbringen

November 29, 2018 20:00

Die Geschichte von David Vetter ist so umstritten, dass bis heute die Meinungen auseinander gehen. Einige bedauern die Eltern, während andere sie für egoistisch halten, weil sie das Leben ihres Sohnes ruiniert haben. Aber das Schicksal des Jungen, der nur 12 Jahre lebte, ohne die Welt berühren zu können, fesselt jeden ausnahmslos.

David Joseph Vetter, Jr. und Carol Ann Vetter waren eine ganz gewöhnliche Familie, die davon träumten, ein Kind zu haben. Ihr erster Sohn, David Joseph Vetter III, wurde mit einer seltenen Krankheit geboren - schwerer kombinierter Immundefekt. Diese Erbkrankheit schwächt das Immunsystem so stark, dass jede Krankheit tödlich sein kann. So geschah es auch mit dem Erstgeborenen des Paares, der im Alter von 7 Monaten starb.

Ihre Tochter Katherine hatte Glück, gesund geboren zu werden. Aber David und Carol wollten ihr Glück noch einmal versuchen. Die Ärzte des Baylor College versicherten dem Ehepaar, dass, wenn das Kind Anzeichen von Immunschwäche zeigen sollte, sie das Knochenmark von Katherine transplantieren könnten. David und Carol wollten unbedingt einen Erben haben und die Frau wurde erneut schwanger. Am 21. September 1971 wurde David Phillip Vetter geboren.

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Sie bekamen kein weiteres Wunder: Das Baby wurde mit der erwarteten Krankheit geboren. Ärzte  brachten das Kind in eine spezielle Kammer, um es auf die bevorstehende Operation vorzubereiten. Aber das Knochenmark der Schwester entpuppte sich nicht als passend. Daher musste David viele Jahre in völliger physischer Isolation verbringen.

Davids Leben in einer Blase erwies sich als echte Qual. Bevor etwas in seine sterile Kammer gelangte, musste es sorgfältig verarbeitet werden. Es war unmöglich, das Kind ohne Plastikhandschuhe zu berühren, die sich in seiner Blase befanden.

Trotz der Tatsache, dass David buchstäblich von der Welt isoliert war, hatte er Freunde. Er liebte seine Schwester und nahm an Familienferien teil.

Das Leben hinter dem Glas in Krankenhäusern forderte einen schweren Tribut an der psychischen Gesundheit des Jungen. Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, mangelnde Kommunikation und menschliche Berührung führten zu einem erwarteten Ergebnis - der Junge wurde aggressiv, gereizt und emotional instabil.

Dieselben Ärzte, die die Familie ermutigt hatten, die nächste Schwangerschaft fortzusetzen, drängten sie, die Knochenmarktransplantation erneut zu versuchen. Und das war der letzte fatale Fehler.

Der häufig auftretende Epstein-Barr-Virus im Körper seiner Schwester verursachte das Burkitt-Lymphom und die Mononukleose. Ein gesunder Körper wäre damit fertig geworden - aber nicht der von David, der erschöpft und völlig ungeschützt war. Der Junge wollte unbedingt Coca-Cola probieren, was er oft bei anderen gesehen hatte, aber die Ärzte erlaubten es nicht. Bald fiel David ins Koma und, ohne wieder zu Bewusstsein zu gelangen, starb er. Nach dem Tod ihres Sohnes konnten die Eltern nicht mehr zusammenleben und ließen sich scheiden.

Das Epitaph auf dem Grabstein von David Phillip Vetter lautet:

Er hat die Welt nie berührt. Aber die Welt wurde von ihm berührt.

Basierend auf dieser Geschichte wurde der Film "Der Junge in der Plastikblase" gedreht, nur diesmal mit einem glücklichen Ende.

Für die Eltern war er der Traum eines lang erwarteten Sohnes; für Wissenschaftler - ein Experiment. Aber wie war das Leben für David?

Schwere kombinierte Immunschwäche ist nach wie vor unheilbar, aber die Erinnerung an den Jungen in der Blase lebt in vielen Menschen weiter. Sein Leben hätte anders verlaufen können. 

Was denkst du? Haben die Eltern des Jungen das Richtige getan? Und wer ist schuld?

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